Janet Yellen und ihre FED

Federal Reserve System

Janet Yellen – die neue Art der Kommunikation

Am vergangenen Mittwoch fand die erste FED-Sitzung statt, bei der Janet Yellen als neue US-Notenbankchefin dabei war. Ihr erster Auftritt war äußerst „ungewohnt“. Statt verschwommener Botschaften oder ein kleines Nicken wie ihr Vor-Vorgänger Alan Greenspan es manchmal machte, sagte sie relativ klare Worte!

Alan Greenspan – der oft wegen seiner unklaren und nebulösen Aussagen kritisiert wurde – sagte einmal:

„Ich weiß, dass Sie glauben, Sie wüssten, was ich Ihrer Ansicht nach gesagt habe. Aber ich bin nicht sicher, ob ihnen klar ist, dass das, was Sie gehört haben, nicht das ist, was ich meine.“

Vielleicht ist es auch an der Zeit gewesen, die Märkte nicht mit Hoffnungen oder Vermutungen abzuspeisen! Klare Worte – an die man sich sogar noch hält – könnten eine neue Ära der FED-Kommunikation mit Janet Yellen einläuten.

Aber was ist nun für die Zukunft geplant?

Natürlich – das war allen Beobachtern bereits klar – werden die monatlichen Anleihekäufe weiter reduziert. Schon jetzt im April, werden erneut 10 Milliarden USD weniger investiert und nur noch für 55 Mrd. USD Anleihen gekauft.

Wenn die Reduzierung nun jeden Monat um 5-10 Mrd. USD voranschreitet, ist der Abbau bis Jahresende erledigt. Und das sagte auch Janet Yellen recht deutlich. Bis zum Herbst 2014 sollen die Anleihenkäufe (oder auch Quantitative Easing, QE genannt) komplett zurückgefahren und eingestellt worden sein.

Bei den Leitzinsen dagegen sagt sie, das sechs Monate nach dem Auslaufen der Anleihenkäufe die erste Leitzinserhöhung erfolgen kann/darf/soll. Da die Anleihenkäufe im Herbst 2014 enden, wird die Zinserhöhung dann erst im Frühjahr 2015 erfolgen. Und auch hier gibt es einen Wegweiser, denn die Anhebung der Zinsen soll sehr langsam von statten gehen. Konkret soll der Zinssatz bis Ende 2015 auf 1,0 Prozent steigen.

Um das zu erreichen, hat sie sich auch von der – bis jetzt als Zielmarke gesetzten – 6,5% Arbeitslosigkeit gelöst. Bisher war das Erreichen dieser 6,5%-tigen Arbeitslosenmarke ein maßgeblicher Faktor in der Geldpolitik. Die Zinsen sollten so lange unten bleiben, bis dieses Ziel erreicht ist.

Die FED bzw. Janet Yellen will unabhängiger agieren können und sich nicht von einer einzelnen Kennziffer in die Enge drängen lassen. Börsianer kritisieren diesen Schritt aber, denn dadurch wird die Geldpolitik weniger vorhersagbar (wie wenn sie jemals bei Alan Greespan vorhersagbar gewesen wäre…).

 

Zusammenfassung:

  1. Die Anleihenkäufe werden reduziert und bis Herbst 2014 eingestellt.
  2. Die Leitzinsen werden 6 Monate nach dem Ende der Anleihenkäufe nur sehr leicht und langsam angehoben.
  3. Die Koppelung der Leitzinsen an die Arbeitslosenquote wurde aufgehoben.

 

Was haltet Ihr von Janet Yellen? Bringt sie neuen Schwung in die FED?

Vielen Dank fürs Lesen! smilie-gelb-mit-hut

Euer
Dividenden-Sammler

Bildnachweis: Mit freundlicher Genehmigung von David Castillo Dominici / FreeDigitalPhotos.net

15 thoughts on “Janet Yellen und ihre FED”

  1. Weil wir gerade beim Thema sind: Meinst du nicht, dass ich wenigstens noch
    einen kleinen Trostpreis hinsichtlich unserer Wette verdient habe? 😉
    Denn diese Wende wurde ja immerhin wie angedacht in 2013 eingeleitet.

    Aber bitte keine Schokolade…ich muss fasten.
    N schöner Rotwein aus der Toskana vielleicht. 🙂

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  2. Hi,

    sicherlich ist es immer interessant, zu erfahren was die FED gemacht hat. Auch das Protokolle im Nachgang veröffentlicht werden, bringt immer etwas Bewegung in den Aktien Markt.

    Allerdings bringen mir diese kurzfristigen Nachrichten nicht sehr viel für mein Anlageverhalten. Das konnte man gestern beziehungsweise vorgestern, wo die FED Mitteilung rauskam, sehen. Der Markt brach vorgestern innerhalb von Sekunden ein, um sich dann wieder zu stabilisieren und gestern dann wieder in größeren Maße zu steigen.

    Ob der Aktienmarkt wirklich einbrechen sollte, wenn man die Zinsen Stück für Stück erhöht, mag ich aktuell zu bezweifeln. Viel wichtiger sind für mich die historischen Zinsniveaus im Vergleich.

    Fazit: FED-Nachrichten sind für mich erst dann interessant, wenn Kulminationspunkte am Aktienmarkt erreicht werden.

    Gruß René

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  3. Du machst mich fertig, du Kaffeetasse!!

    Aber gut, wenn ich den Rotwein bei amazon bestellen kann, dann schick mir mal einen Link von Deinem Wunschwein! 🙂

    Oder wie wärs mit dem hier: http://www.amazon.de/Bull-Bear-Chateau-Migraine-Geschenkkarton/dp/B004266ZDY/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1395398660&sr=8-2&keywords=rotwein

    Ich kenne mich da nicht aus bei Rotwein, aber das hört sich gut an…
    Zudem, wenn Du mal Kopfweh hast… 😉

    Beste Grüße
    D-S

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  4. Hallo René,

    so arg weit weg von einem Hochpunkt sind wir meiner Meinung nach nicht mehr.
    Und möglicherweise sind jetzt schon bekanntgegebene Zeitpunkt für eine Zinserhöhung entweder im Markt eingepreist oder der Zeitpunkt wird verwendet um Timing zu betreiben. D.h. jetzt alles kaufen und zum Jahresanfang 2015 rechtzeitig vor der Zinsankündigung verkaufen…

    Insofern ist die Nachricht der FED doch eine Überlegung wert…

    Beste Grüße
    D-S

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  5. Exzellenter Vorschlag…
    ob Toskana oder Bordeaux – Hauptsache aus Spanien. *g*
    Ich lass mich einfach überraschen. Hauptsache rot und trocken.
    😉

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  6. Der Markt reagiert auf Überraschungen, nicht auf bereits bekannte Ereignisse.
    Wenn ab jetzt bekannt ist, dass ab 2015 die Zinsen steigen werden, dann reagiert der Markt jetzt darauf – nicht erst 2015.
    Das Surfen auf der Börsenboom-Welle (auch als „Market Timing“ bekannt) ist eine Variante von Schwarzer Peter: Den letzten, der ein Wertpapier kurz vor dem Crash hält, beißen die Hunde.
    Deshalb versuchen die Profis am Ende eines Aufschwungs gerne, eine Milchmädchen-Hausse herbei zu reden (wobei die Zeitung mit den vier großen Buchstaben gerne als Sprachrohr verwendet wird), um zu optimalen Kursen aus ihren Papieren aussteigen zu können. Denn wenn die Profis irgendwann mehrheitlich verkaufen wollen, aber keine ausreichende Menge an Käufern mehr finden können, dann haben sie den Zeitpunkt zum Absprung vor der Klippe bereits verpasst.

    Die Frage ist aber auch: Ist ein Leitzins von irgendwann mal wieder 1% eine echte Konkurrenz für eine gute Dividendenaktie?
    Ich vermute, Tagesgeld wird noch eine ganze Weile lang nicht wettbewerbsfähig mit langfristigen Anlageformen bleiben.
    Im Jahr 2008 gab es in Deutschland mehr als 4% Zinsen für Tagesgeld. Von diesem Niveau (das dann eine echte Konkurrenz für Dividenden wäre – und trotzdem erreichten die Aktienmärkte damals diverse Allzeithochs) sind wir meilenweit entfernt.

    3,5% Rendite für (als risikolos geltende) amerikanische Staatsanleihen gibt es auch jetzt schon – und die Kurse solcher Papiere sind seit dem Amtswechsel an der Spitze der Fed nicht etwa gefallen. Der Markt erwartet also jetzt nicht, dass Frau Yellen ein deutlich schärferes Tempo beim Ausstieg aus den Anleihekäufen vorlegen wird, als zuvor bereits in den Kursen eingepreist war.
    Wer für ein langfristiges Investment Sicherheit bevorzugt und nicht mehr will als eine kleine positive Realrendite, der kann dies in den USA aktuell mit Treasuries schaffen. Trotzdem hat der Aktienmarkt bisher nicht negativ auf diese nun wieder vorhandene Anlage-Alternative reagiert.

    Ich sehe nirgendwo auf der Welt ein dermaßen überbordend hohes Wirtschaftswachstum, dass die Zentralbanken mit hohen Zinsen eingreifen müssten, um die Inflation unter Kontrolle zu halten.
    Und letzteres umso mehr, als die zahlreichen hoch verschuldeten Staaten sich ja eigentlich eine ordentlich hohe Inflationsrate herbeisehnen, um dadurch die Kaufkraft ihrer Schuldenberge wenigstens zum Teil entwerten zu lassen.

    Eine Zentralbank, die den Leitzins massiv erhöht, würde also dem Finanzministerium quasi in den Rücken fallen. Und das erwarte ich von Janet Yellen nicht.
    Das, was die Frau gerade verkündet hat, ist eine langfristige und maßvolle Rückkehr zu immer noch sehr niedrigen, aber ein kleines bisschen normaleren Zinsverhältnissen – nicht aber die komplette Beendigung der finanziellen Repression für den Sparer.
    Darüber hinaus gibt Frau Yellen den Märkten mit ihren konkreteren Formulierungen etwas, nachdem die Anleger geradezu lechzen: Sicherheit und Kalkulierbarkeit. Die erklärt m. E. auch die insgesamt positive Marktreaktion auf die von ihr verkündete Botschaft.

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  7. „3,5% Rendite für (als risikolos geltende) amerikanische Staatsanleihen gibt es auch jetzt schon – und die Kurse solcher Papiere sind seit dem Amtswechsel an der Spitze der Fed nicht etwa gefallen.“

    Ich glaube auch, dass 3,5% vielen konservativen Anlegern schon reichen würden. Damit meine ich nicht nur Privatanleger, sondern beispielsweise auch Lebensversicherer.

    Aus europäischer Sicht besteht bei US-Anleihen allerdings ein gewisses Währungsrisiko. Bei den jährlichen Kupon-Zahlungen verhält es sich imho ähnlich wie bei Dividenden: Ein Jahr ist es mal zugunsten des Anlegers, das nächste Jahr ist es dann anders herum. Langfristig sollte sich das bei Hartwährungen in der Waage halten.
    Wenn die US-Anleihe jedoch irgendwann mal fällig wird, könnte es problematisch werden, wenn der Dollar genau dann gegenüber dem Euro abwertet.

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  8. Erstens kann (und sollte) man kurze Restlaufzeiten verkaufen, wenn die Währungssituation günstig ist, und zweitens kann man den Erlös ja auch wieder in Dollar anlegen, falls sich dies zum Zeitpunkt der Fälligkeit anbietet.

    Die Renditedifferenz zwischen Langläufern in Euro und in Dollar liegt für solide Anleihen derzeit etwa bei 1.3%, für etwas riskantere Anleihen jedoch deutlich höher (wobei mir spontan kein plausibler Grund für diese Diskrepanz einfällt).
    Angesichts der nach wie vor wackeligen Südflanke des Euroraumes erscheint mir eine Prämie von bis zu 2% p.a. für Dollar gegen Euro in der aktuellen Situation ziemlich attraktiv.
    (Heute habe ich den Dollar-Anteil im Anleihen-Teil des Depots erhöht, zumal der Dollar seine traditionelle Rolle als Fluchtwährung in Krisenzeiten trotz der Ereignisse auf der Krim bisher so gar nicht ausgefüllt hat.)

    Wenn die Fed ihre Anleihenkäufe auslaufen lässt und dadurch die Renditen in den USA steigen, dann werden die weltweit operierenden Rentenfonds irgendwann anfangen müssen, ihre Anleihendepots in Richtung Dollar umzuschichten, und damit den Effekt des Taperings auf die Finanzmärkte insgesamt verteilen. Dies würde dann insbesondere eine erhöhte Nachfrage nach Dollar verursachen.
    Deshalb würde ich derzeit auch keine lang laufenden Bundesanleihen im Depot haben wollen – stabilisierender Effekt im Depot hin oder her.

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  9. Karl Napf:
    Erstens kann (und sollte) man kurze Restlaufzeiten verkaufen, wenn die Währungssituation günstig ist, und zweitens kann man den Erlös ja auch wieder in Dollar anlegen, falls sich dies zum Zeitpunkt der Fälligkeit anbietet.

    Da reicht natürlich auch ein Fremdwährungskonto , da hat man dann gegebenenfalls eine noch bessere Ausgangsbasis für Neuinvestitionen , grundsätzlich bin ich allerdings auch der Meinung , dass gerade Fremdwährungsanleihen vor Endfälligkeit beobachtet werden müssen , um den richtigen Ausstieg zu finden…

      (Zitieren)

     
  10. Ein Fremdwährungskonto braucht man dafür nicht.

    Man kann einfach so lange die Laufzeit immer wieder verlängern (und dadurch zudem die Rendite jeweils erhöhen), bis sich ein günstiger Zeitpunkt für den Rücktausch in die eigene Währung anbietet.

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  11. Hallo Karl…
    das verstehe ich jetzt nicht , ich bin , wie Stefan auch von einer fällig werdenden Fremdwährungsanleihe in USD ausgegangen….oder sollte mir da etwas entgangen sein…wie kann ich die denn immer wieder verlängern ?..die sind doch endfällig .??

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  12. Fast jeder Anleger weißt seit langem, dass FED die Anleihenkäufe zurückfahren wird. Dieses Ereignis ist schon in den Aktienpreise reflektiert. Ich denke, dass ich einer der Gründe warum der positive Trend bei den Aktien seit einigen Monaten nicht mehr fortgeht. Trotzdem sind die Leitzinsen immer noch niedrig und Aktien sind alternativlos. Alleine Dividenden ohne Kursanstieg, wie der Dividenden-Sammler schreibt auf diesem Blog, sind gut genug in Aktien zu investieren.

      (Zitieren)

     

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geschrieben von Dividenden-Sammler Lesezeit: 3 min
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